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Südafrikanische Gerichte

Auch wenn die Küche Südafrikas vielen verschiedenen Einflüssen unterlag und man nicht von einer einheitlichen Küche sprechen kann, kennt sie doch ein verbindendes Element: Fleisch. Egal ob die Gerichte einer Region nun eher malaiisch, indonesisch, indisch, englisch oder holländisch inspiriert sind, die meisten beinhalten Fleisch in der einen oder anderen Form. Kein Wunder, die Auswahl ist ja auch riesig: Wo sonst findet man Gerichte mit Fleisch von Lamm, Rind, Schwein, Springbock, Strauß, Antilope, Kudu, Warzenschwein, Stachelschwein und in seltenen Fällen auch Zebra oder Elefant. Vor allem Lamm- und Straußenfleisch sind sehr beliebt: das Lammfleisch gehört aufgrund seines wunderbaren vollen Geschmacks in fast jedes Fleischgericht und das Straußenfleisch wird aufgrund seines sehr niedrigen Fettgehaltes bei trotzdem sehr gutem Geschmack vor allem von Freunden der gesunden und bewussten Ernährung sehr gern verwendet.

Chakalaka

Chakalaka ©iStockphoto/Eva Gruendemann

Einige dieser Fleischsorten gibt es auch in getrockneter Form als Biltong. Dabei handelt es sich um getrocknetes Fleisch ähnlich dem amerikanischen Beef Jerky. Das Fleisch, meist Rind, Strauß oder Springbock, wird in etwa zwei Zentimeter dicke Stücke geschnitten, mit einer Würzmischung aus Essig, Salz, Koriander und Pfeffer behandelt und dann hängend getrocknet. So konserviert ist es je nach Trocknungsgrad drei Wochen bis zwei Jahre haltbar. Biltong gilt als idealer Zwischensnack und ist praktisch überall in den verschiedensten Trocknungsstufen erhältlich. Übrigens: Eine ungewöhnliche Variante ist Biltong aus Elefantenfleisch.

Aber nicht nur Biltong gehört zu den überall beliebten Delikatessen im Land. Als das inoffizielle Nationalgericht gilt Boerewors, eine relativ fette, gut gewürzte und zur Schnecke aufgerollte Bratwurst. Sie gehört zu jedem Braai, dem schon beinahe obligatorischen Grillen im Freien, einfach dazu. Ihren besonderen Geschmack erhält sie einerseits durch die Mischung von Rinder- bzw. Schweinefleisch mit beispielsweise Springbockfleisch, andererseits aber auch durch die Verfeinerung mit Thymian, Koriander, Muskatnuss und anderen Kräutern und Gewürzen.


Biltong, Braai und Boerewors gehören zur so genannten kapholländischen Küche, die man besonders in der Region Gauteng vorfindet. Ihre Gerichte zeichnen sich eher durch eine gute Sättigung als durch besonders viel Raffinesse aus. Zu den Klassikern der „Cape-Dutch“ Küche gehören beispielsweise auch die unzähligen Varianten von Potjiekos, einem Eintopf, der ähnlich wie ein Stew stundenlang gekocht wird. Charakteristisch sind Zutaten wie Lammfleisch, Kürbis und süßer Mais, die hintereinander in einem gusseisernen, dreifüßigen Topf über offenem Feuer landen.

Neben den deftigen, großzügig gewürzten und nicht unbedingt figurfreundlichen Klassikern ist die kapholländische Küche auch für ihre Nachtische bekannt. Egal ob Konfyt oder eine der besonderen Kuchenkreationen: es kann nicht schwer, süß und sahnig genug sein. Sehr beliebt sind zum Beispiel Melktert und Koeksisters. Die Melktert ist eine Torte mit Mürbe- oder Biskuitteig und einem Pudding, der mit Zimt bestrichen wird. Unter Koeksisters versteht man kleine Hefekuchen, die zuerst frittiert und danach durch Sirup gezogen werden.

Einen Kontrapunkt setzt da glücklicherweise die aromatische kapmalaiische Küche: zwar kennt sie auch Fleisch- oder Gemüseeintöpfe, die Bredies, ist aber insgesamt leichter und weist mehr malaiische und indische Einschläge auf. Typisch für die kapmalaiische Küche sind zum Beispiel Sosaties, marinierte Fleischspieße, der Bobotie, ein Fleischauflauf mit Curry, Pickled Fish, Chutneys oder Geelrys, gelber Reis mit Rosinen. Vielfach werden die Gerichte mit süß-sauren Soßen und sauer eingelegtem Gemüse vervollständigt. Ein ganz besonderes Gericht der kapmalaiischen Küche ist der Waterblommetjie-Bredie. Dabei handelt es sich um einen Eintopf mit einer hier heimischen Wasserlilie.

Relativ wenig Einfluss haben die englische und die schwarzafrikanische Küche in Südafrika. Der größte Verdienst der englischen Küche sind die verschiedenen Puddings und Pies, die sich überall großer Beliebtheit erfreuen – wobei ein Pie eher ein mit Fleisch gefülltes Gebäckstück und weniger eine Süßigkeit ist. Auch Scones, halb Brötchen, halb Kuchen, Chips (also Pommes frites) und die unvermeidliche Minzsoße hielten schnell Einzug in den Restaurants und Imbissen am Kap.

Aus der schwarzafrikanischen Küche kommt der Pap, ein Maisbrei. Er ist der Alleskönner der südafrikanischen Küche und findet als Hauptspeise ebenso Verwendung wie als Babynahrung, Soße, Beilage oder als Grillgut. Der eigentlich sehr einfache Brei mit Wasser kann je nach Geschmack und Gericht mal dicker, mal dünner zubereitet werden. Als Hauptgericht fügt man der Masse häufig verschiedene Gemüse und/oder etwas Fleisch hinzu. In der Regel isst man Pap, auch Nshima oder Mielie Pap genannt, mit einer (meist scharfen) Soße, in der Chilies oder Peri-Peri, eingelegte Pfefferschoten, nicht fehlen dürfen. Eine weitere schwarzafrikanische Spezialität ist Mopani, getrocknete und frittierte oder gekochte Raupen, die gern als Mutprobe für Touristen vorgesetzt werden.

Übrigens: Fisch und Meeresfrüchte werden gar nicht so häufig verspeist wie man bei einem Land am Meer annehmen möchte, eine häufigere Verwendung findet Fleisch in allen Variationen. Trotzdem findet man an der Küste einige sehr gute Fischrestaurants. Sofern man nicht unbedingt in Touristenzentrum essen geht, kann man auch verhältnismäßig teure Delikatessen wie etwa Austern zu einem Bruchteil dessen genießen, was man in Europa dafür bezahlen würde.

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