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Kunst & Kultur in Südafrika

Entgegen der offenbar weit verbreiteten Meinung vieler Menschen innerhalb und außerhalb Südafrikas existiert Kunst und Kultur im südlichen Afrika schon seit Tausenden von Jahren. Ein gutes Beispiel dafür sind die Buschmannzeichnungen, Felsmalereien und -gravuren der San, die je nach Standort unterschiedliche Stile aufweisen. Viele der in Südafrika heimischen Stämme entwickelten mit der Zeit eigene künstlerische Ausdrucksformen. Häufig war Kunst ein Mittel, um Zugang zu spirituellen Mächten zu erlangen, Macht zu demonstrieren oder Schutz zu erbitten. Dementsprechend zählt man zu den typischen frühen Kunstgegenständen beispielsweise auch Ahnen-, Geister- und Tierfiguren, Masken aus Holz oder Ton, sakrale Gefäße und Rangabzeichen.

Höhlenmalerei in Südafrika

Höhlenmalerei in Südafrika ©iStockphoto/Nico Smit

Mit der Zeit der Apartheid und den damit einhergehenden Restriktionen und Zensierungen wurde die „schwarze Kunst“ zunehmend in den Hintergrund gedrängt: Kritische Künstler erhielten Auftrittsverbote unter Strafandrohung, die Werke zahlreicher Schriftsteller durften nicht mehr verlegt werden. In der Konsequenz gingen vor allem in den 1980er Jahren viele schwarze Künstler ins Exil, um von dort aus die in Südafrika herrschenden Verhältnisse der Weltöffentlichkeit darzustellen und als Sprachrohr für die Millionen unterdrückter Menschen zu fungieren. In dieser Zeit richtete sich das Augenmerk vermehrt auf die „weiße Kunst“ wie etwa moderne und kapholländische Architektur und das Design von Möbeln und Silberwaren.

Nach dem Ende der Apartheid erfolgte Schritt für Schritt eine Rückbesinnung auf die kulturelle Identität der Völker Südafrikas, die man unter dem Stichwort „African Renaissance“ zusammenfasst. Seit den 1990ern werden besonders Projekte gefördert, die sich auch mit dem afrikanischen Erbe des Landes auseinandersetzen. Aufgrund dieses Engagements ist es heute möglich, dass südafrikanische Künstler sich und ihre Kunst weiterentwickeln und einem größeren, ja internationalen Publikum präsentieren können. Dazu gehören Töpfer-, Flecht- und Webarbeiten ebenso wie Schnitzereien und Lederarbeiten, Schmiedearbeiten und Perlenarbeiten sowie alle Künste rund um das Thema Kleidung und Körperschmuck, also Stickereien, Färbungen, Applikationen oder Durchbrechungen. Vor allem die Kunst der Ndebele ist vielen Kennern in diesem Zusammenhang ein Begriff: Ihre naiv anmutenden Kleidungen, Malereien und Perlenarbeiten zeichnen sich durch eine überaschende und leuchtende Farbigkeit aus. Besonders erwähnenswert ist auch die Township Art, eine Kunstrichtung, die in den Townships des Landes entstand. Die Künstler nutzen hierbei zum Teil Abfälle und Müll, um in beeindruckenden Zusammenstellungen und Farben das Leben in den Townships in Collagen und Skulpturen zu thematisieren. Übrigens: Originale kann man auf den überall verbreiteten Craft Markets erstehen. Kauft man afrikanische Kunst dagegen am Straßenrand oder auf Flohmärkten, handelt es sich dabei meist um so genannte „Airport Art“, Nachahmungen aus China. Vor allem der Pan-African-Market in Kapstadts Long Street spezialisierte sich auf Township Art. Hier findet man neben ungewöhnlichen und interessanten Bildern und Collagen auch Objekte aus Coladosen oder Kronkorken, die zumindest sehenswert sind.


Neben dem Handwerk erlebten aber auch andere Kunstzweige eine regelrechte Renaissance: Schriftsteller und Musiker kehrten aus dem Exil zurück, mussten aber feststellen, dass sich die Kunstszene und auch das Publikum stark verändert hatten. Niemand interessierte sich mehr für politische Texte und das Thema Apartheid, die Menschen waren es offenbar leid, stetig darauf angesprochen und daran erinnert zu werden. Stattdessen entwickelten sich seit den 1990er Jahren neue Stile, die eher einen Zugang zum Publikum fanden. Ein Beispiel dafür ist die Musik: Zwar wurde die Kunst der Jazz- und Bluessänger an sich gewürdigt, aber die Songs und ihre Inhalte interessierten nur noch ein kleines Publikum. Stattdessen hielt der Rap Einzug bei den Musikinteressierten, die diesen neuen Musikstil adaptierten und etwas ganz Neues daraus kreierten: Den Kwaito, eine Mischung aus House, Rhythm & Blues, Hip-Hop und afrikanischen Klängen. Diese Musik der schwarzen Sänger aus den Townships eroberte die südafrikanische Musikszene im Sturm und symbolisiert auch heute noch den Traum, mittels Musik dem Albtraum aus Armut und Gewalt in Südafrikas Townships zu entkommen. Neben dem Kwaito erlebten der Jazz und die traditionellen afrikanischen Rhythmen eine ungeahnte Renaissance. Heute gibt es vor allem in Kapstadt, Südafrikas unumstrittener Kulturhauptstadt, unzählige Bars, Drumcafés und Clubs, in denen man die neuen und alten südafrikanischen Rhythmen live erleben kann.

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